Ein Tag im Leben eines Softwareentwicklers – mit Tiago


Es gibt immer einen Weg
Es gibt Menschen, bei denen nach wenigen Minuten spürbar ist: Sie nehmen das Leben ein kleines bisschen leichter als andere. Tiago ist so jemand. Wo sich andere festbeißen oder von Problemen stressen lassen, sagt er eher: „Es gibt immer einen Weg.“ Und irgendwie glaube ich ihm das sofort.
Vielleicht liegt das an seiner Geschichte. Wahrscheinlich aber vor allem an seiner Haltung. Tiago ist in Brasilien aufgewachsen – geprägt von seiner Mutter und Großmutter. Zwei starke Frauen, die ihm nicht nur den Wert harter Arbeit, sondern vor allem klare Prinzipien mitgegeben haben. Ehrlichkeit zum Beispiel. Tiago sagt: Wenn du heute fünf Euro „gewinnst“, verlierst du morgen vielleicht fünfzig.
Deutschland kannte Tiago schon aus Erzählungen seines Onkels. Was ihn bis heute beeindruckt, ist vor allem die Sicherheit hier. Dieses Gefühl, sich im Alltag weniger Sorgen machen zu müssen. An die deutsche Struktur musste er sich allerdings erst gewöhnen. Als er einmal fünf Minuten zu spät beim Amt war, blieb die Tür zu. In Brasilien kaum vorstellbar. Heute ist er lieber 30 Minuten zu früh da.
Vielleicht erklärt das auch, warum er bei der Wahl seines Arbeitgebers vor allem nach Stabilität und Verlässlichkeit gesucht hat – und schließlich bei convivo genau das gefunden hat.
Sein Arbeitstag beginnt mit Austausch. Das Daily ist für ihn mehr als Routine – es schafft Orientierung: Wo stehen wir? Was sind die nächsten Schritte? Gibt es Hindernisse?
Früh Klarheit zu schaffen ist ihm wichtig. Denn eines steht für ihn fest: Nicht zu lange im Problem verharren, wenn vielleicht schon jemand eine Lösung kennt. Dabei schätzt er besonders die offene Zusammenarbeit im Team und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen.
Auf die Frage, was ihn die Softwareentwicklung über sich selbst gelehrt hat, antwortet er: „Man kann mehr, als man denkt.“ Denn oft beginnt alles mit dem Gedanken: Das schaffe ich nicht. Und dann findet man doch eine Lösung. Oft nicht sofort, nicht perfekt, aber Schritt für Schritt. In komplexen Umgebungen wie der Softwareentwicklung ist Unsicherheit nicht das Ende, sondern oft erst der Anfang.
Fehler gehören dazu – im Code wie im Leben. Tiago versucht, Dinge zumindest so weit abzuschließen, dass klar ist, warum etwas nicht funktioniert. Offene Probleme nimmt er oft gedanklich mit. Was hilft: Abstand, kurz rausgehen oder Zeit mit seiner Tochter.
Ein guter Arbeitstag? Wenn etwas abgeschlossen ist. Ein Feature fertig, ein Problem gelöst, ein Pull Request erstellt. Der Moment, in dem man weiß: Jetzt kann jemand anderes draufschauen. Und wenn es schwierig wird? Dann lernt er. Sucht nach Alternativen, Workarounds und neuen Wegen. Denn: Es gibt immer einen Weg.
Auch beim Thema KI bleibt er pragmatisch. Für ihn ist sie Unterstützung, nicht Ersatz. So etwas wie Pair Programming: hilfreich, schnell, oft beeindruckend – aber kein Grund, das eigene Denken auszuschalten. Sein Punkt ist klar: Verstehen bleibt entscheidend und Hinterfragen auch. Wer nur kopiert, bleibt stehen. Wer versteht, kommt weiter. Dass er sich heute auch über sein Projekt hinaus mit Zukunftsthemen beschäftigen und in fachübergreifenden Gremien mitwirken kann, sieht er dabei als große Chance zur persönlichen Weiterentwicklung.
Was lernen wir daraus: Entwicklung verläuft selten geradlinig. Umwege gehören dazu. Und manchmal kommt man gerade deshalb genau dort an, wo man hingehört. An einen Ort, an dem man wachsen kann, ohne das Privatleben aus dem Blick zu verlieren.
Auf die Frage, was er seinem jüngeren Ich mitgeben würde, sagt Tiago: Nicht aufgeben. Vertrau dir selbst.
Das Interview führte Josefine Walter, Scrum Master & Agile Coach bei convivo







